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Wieder irgendwas über Vegas

Lesezeit: 5 Minuten

Was sollen wir Euch neues erzählen über Las Vegas, mal ehrlich? „Gefühlt kennen wir doch diese Glitzerstadt mitten in der Wüste schon, selbst wenn wir noch nicht dort waren“, denke ich als wir mit dem Auto in den Strip einbiegen. Um Stielaugen komme ich dann aber doch nicht herum bei so viel leuchtendem Amerika, vorerst…


Cowgirl and Cowboy 

„So muss es gewesen sein für die Cowboys, damals“, meint Fabi zu mir als wir Emma, unser Reisemobil vor dem Treasure Island Hotel parken. Wir tragen den Wüstenstaub des Valley of Fire und Grand Canyon an uns, haben seit Tagen vornehmlich rote Felsen und uns selbst gesehen und von den überschaubaren Resten aus unserer Kühlbox gelebt. Um uns herum plötzlich: Riesige Hotelbauten, blinkende Leuchtreklamen, Poolparties, Wasserfontänen vorm Bellagio und Piratenshows am Strassenrand, überall Musik und niemals schlafende Labyrinthe aus Casinos. Jeder ist irgendwie wach, ob noch oder schon wieder, man weiss es nicht. Wir checken ein, duschen und sind für ein paar Tage Touristen statt Reisende.

Zocken

In feinster Montur stöbern wir erstmal durchs hauseigene Casino, lösen Voucher ein und geben trotzdem viel Geld aus. Kurz fühlt sich das noch komisch an, so aus der Wüste kommend. Dass wir hier eine Budget-Blaupause einlegen würden, war uns aber natürlich vorher klar. Geld ist sehr relativ, das merkt man hier schnell. Stichwort High Roller Tische, hier sind Hunderter Kleingeld. Fabi spielt da lieber gegen den 25 Cent Automaten. Ich probiere mich im Roulette, weil ich das aus Filmen kenne. Manche Dinge sind auf Leinwand irgendwie schöner. Verlieren tun wir jedenfalls beide, obwohl es die ganze Zeit so schön dudelt. 

Menschen im Zockmodus beobachten und dabei Freigetränke konsumieren macht aber schon Spass. Vor den riesigen Manga-Automaten sehen wir eine Oma, die wild mit den Armen fuchtelnd versucht den über mehrere Bildschirme reitenden Drachen möglichst oft zu berühren. Das bringt scheinbar Punkte. Gegenüber ist jemand mit Drink in der Hand eingeschlafen. In der Luft kämpfen Zigarettenqualm und O2-Belüftung gegeneinander. „Entschuldigung, wie spät ist es?“, fragt mich jemand. „Zwei“, sage ich. „Danke“, kommt zurück, dann:“ Äh, p.m. oder?“. Ich kann ihn beruhigen, er liegt richtig. 

Später machen wir es wie alle und laufen den Strip ab, schauen Leuten beim Gondelfahren im Plastik-Venedig des Venetian zu, sehen uns die Vulkanshow des Mirage an, kommen ums Shoppen nicht herum und testen unseren Pool. 

Hexenjagd in der Fremont Street 

Im immer noch sehr jungen, aber ursprünglichen Las Vegas rund um das Goldene Nugget Casino (das mit den Haien) gefällt es uns fast besser als auf dem Strip. Alles ist etwas kleiner, weniger protzig, dafür mit diesem speziellen In-die-Jahre-gekommen-Charme behaftet. 

An Halloween explodiert die Fremont Street vor Menschen. Wir schieben uns durch die Menge an hochgradig kreativen Kostümen, Liveshows und Darbietungen von Strassenkünstlern und fühlen uns plötzlich sehr unverkleidet. „Fast schon als wäre man nackt“, rufe ich Fabi zu. Der versteht mich nur halb, schaut nach oben. Die ganze Strasse ist von einer Kuppel aus LED-Bildschirmen überdacht auf denen Video-Shows laufen. Zwischendurch fetzten kostümierte Menschen an ZIPLines im Dach der Kuppel über unsere Köpfe. Ich denke man kann hier von Spektakel sprechen. 

Cirque du Soleil

Nach ein paar Tagen merken wir, dass es langsam weniger glitzert. Ich lese etwas über die Gamble-Metropole Chinas, sie heisst Macau. Dort baut man u.a. eine originalgetreue Kopie von Vegas’ Plastik-Venedig. „Die Kopie von der Kopie“, meint Fabi schmunzelnd. „Macht das Vegas also zu einem Original?“, frage ich mich. 

Aber wenn dieses „originalgetreue“ Vegas eins kann, dann Show. Und für die Perfektionisten unter den Profis haben wir Karten: Die Show „O“ vom Cirque du Soleil im Bellagio. Es wird ein absolutes Highlight unseres Besuches in Vegas. Dinge, die man besser selbst sieht als auf Leinwand! 

Wir treiben uns noch ein wenig im Streetart Künstlerviertel 18b herum. Dann drehen wir eine letzte Runde im Pool, streifen den Touristen ab und werfen den Motor an. Nächster Halt: Pazifik.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Faszinierender Bericht, grossartig geschrieben. Mein Gedankenkarussell dreht sich: mal sehen, wann ich nach Las Vegas komme??
    Liebe Grüsse aus dem trüben Hamburg und Euch eine gute Weiterreise
    Gaby

    1. Vielen Dank für die sonnigen Worte aus dem trüben Hamburg. 😀

  2. Wie immer sehr anschaulich und humorig geschrieben!Man mag Las Vegas grundsätzlich ablehnen,aber Deine Schilderungen und Dein Schreibstil führen dazu ,dass man sich dabei erwischt ,das Spektakel auch mal erleben zu wollen!

    1. Danke Ammi, schönes Kompliment! 🙂 Grüsse nach Hamburg

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