Staub und Pisten in Moab

Durch orangerotes Leuchten fetzt eine johlende Staubfahne, die zusammen mit dem Knattern der Motoren langsam verfliegt. Gleich wird die Sonne weit weg, dort hinten am Horizont, zwischen bizarren Sandsteinformationen untergehen. Dazwischen Wüstenweite, und wir mittendrin am Lagerfeuer in Moab, Utah.


Glückliche Staubklumpen

Wer nach Moab kommt will meist den Arches Nationalpark sehen, oder ist ein Offroad-Enthusiast. Oder beides. Die Strassen sind voller Pickups mit ATVs (kurz für All Terrain Vehicle, auch Quads, also kleine Geländefahrzeuge) auf den Ladeflächen. Mit diesen Jetskis fürs Land pesen ganze Scharen über Pisten (unbefestigte Strassen) die wüstenartige Steinhügel und Canyons entlang. Als glückliche Staubklumpen kommen viele am Abend zurück in die Hotelduschen des beinahe hippen Moab. 

Wir campen etwas ausserhalb in den sogernannten Sandflats ohne Wasser aber mit Sternenhimmel auf dem WC. Hier kommen auch viele Mountainbiker und Motorradfahrer unter, denn die Strecken sind hier legendär (u. A. Slickrock Trail). Es knattert und strampelt also ständig was in Moabs Staub.

Arches Nationalpark

Schon die ersten 20 Minuten Fahrt im Arches Nationalpark verschlagen einem die Sprache. „Sind wir auf einem andere Planeten“, frage ich Fabi und mich selbst. Die fremde Landschaft lässt keinen Vergleich zu. Riesige monumental anmutende rote Sandsteingebilde säumen die Strasse. Als hätte ein Gigant Steinbrocken fallen lassen und ein paar Skulpturen daraus geschnitzt. Wie Wolken lösen sie im Kopf direkt Assoziationen mit allmöglichem Zeug aus. Hier ein Gesicht, da eine Frau von der Seite. Und immer wieder kleine und grosse Bögen – die Arches (engl.). 

Bloss ein Wimpernschlag für einen Bogen, diese Menschenleben. Trotzdem ist so ein Ururopa-Bogen mal tödlich auf Touristen draufgefallen. Da hält der tausende Jahre und in den 2 Minuten die du darunter stehst reicht es ihm – Murphy’s Law würde ich sagen. 

Wir kleben mit doofem Gesicht, weil halb offenem Mund an der Fensterscheibe und staunen uns  erstmal mit dem Auto zum Parkende, dem Devils Garden. Der gleichnamige Campground soll der Hammer sein, reservieren muss man allerdings ca. 1 Jahr vorher. Das hatten wir irgendwie verpasst. 

Der Hike durch den Devils Garden zu den riesigen Gesteinsbögen (Double O und Landscape Arch) und über Felslandschaften mit Blick über die Weite der Wüstenebene ist in jedem Fall grandios (primitive loop trail mitmachen!). 

Am späten Nachmittag, wenn plötzlich alles Orangerot leuchtet ist Primetime für den Besuch des berühmten Delicate Arch. Er ziert das Nummernschild vieler Autofahrer aus Utah, ist also mindestens so bekannt wie die Idaho-Kartoffel. Stramm bergauf und öfter mal am Abgrund entlang zieht sich der kurze Weg empor. Zur Belohnung kann man durch den leuchtenden Bogen kilometerweit Ferne bestaunen. Und posierende Menschen davor. Denn Instagram ist überall. 

Für Fiery Furnace, den Irrgarten des Parkes, bekommen wir leider kein zeitnahes Permit (Genehmigung). Andere Reisende sind allerdings begeistert, also hin da! 

Eher was für Freunde des Trubels, aber trotzdem absolut sehenswert sind der Double Arch und die Windows



Im Offroad – Fieber 

Anfangs schütteln wir noch ein wenig den Kopf über die ATVs. „Ich finde es komisch so durch die Wüste zu pesen“, meint Fabi, „für die Natur ist das sicher nicht so gut!“. Später würde er dann aber irgendwie doch ganz gern mal. Aber natürlich nicht mit so einem ATV-Spielzeug, sondern mit Emma, unserem Toyota Landcruiser. Ich bin etwas skeptisch, schliesslich ist das ja unsere momentane Wohnung. Und Wüste kaputt machen, wollen wir natürlich auch nicht. Also recherchieren wir ein bisschen im Moab Visitorcenter und finden diese beiden wirklich tollen Pisten:

1. Gemini Bridges Road

Wir starten an der Island in the Sky Road, arbeiten uns durch den Staub und sehen am Horizont den Arches Nationalpark. Es schaukelt, holpert und manchmal fühlt es sich wie Segeln hart am Wind an, wenn wir kurz in Schräglage kommen. Aber die Piste ist ingesamt gut und unser Autotyp natürlich dankbar für so ein Abenteuer. Trotzdem steht mehr auf dem Spiel, wenn man darin lebt und nicht nur damit spielt. 

Auf halber Strecke wandern wir zu den Gemini Bridges, die einen wirklich schönen Canyon überspannen. Niemand sonst ist hier, dabei ist die Landschaft ebenso schön wie im Arches Nationalpark. 

Das eigentliche Highlight kommt dann aber am Abend. Per Zufall finden wir einen versteckten wilden Campspot ganz am Ende eines kleinen Canyons. Zwischen knochigen Bäumen am Bach machen wir ein Lagerfeuer. Auf den Fotos sieht es fast nach Westerntapete aus so unwirklich schön ist der Ort. Und Nachts Sterne, wir und unser Echo. 



2. Shafer Trail

Den Shafer Trail nehmen wir in Richtung Canyonlands Nationalpark. Hier braucht es nicht zwingend Allradantrieb, schön zu haben ist er aber schon. Die Strecke lebt von der Aussicht in die tiefen Schluchten und der Serpentinenfahrt hinauf ins Plateau des Canyonlands Nationalparkes. In Mitten dieser roten Canyonlandschaft übernachten wir nochmal fernab von allen anderen. 

Am Ende sind auch wir glückliche Staubklumpen. Und Emma schaut aus wie Sau. Zwei Pho und eine Tankfüllung später sind wir wieder on the road, zur geheimen Perle Utahs. Aber dazu später mehr…



Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben,
    bin sehr froh und nunmehr dankbar auf Euren blog gestossen. Eure fantastischen Fotos und kurzweilige ‚Schreibe‘ verleiten zum Träumen und immer wieder zum Schmunzeln. Danke dafür.
    Weiterhin save travels, weitere wundervolle ‚Menschenbegegnungen‘ und unvergesslich schöne Erlebnisse.
    Herzliche Grüsse vom Zürichsee,
    Roland

    1. littleroadtrip

      Lieber Roland,

      Danke vielmal, Dein Lob freut uns sehr!
      Liebe Grüsse nach Züri

  2. Barbara

    Einfach herrlich euch zu lesen!!! Auch in Kenia!

    1. littleroadtrip

      Liebe Barbara, danke für das Kompliment, wir freuen uns jedes Mal darüber! Liebe Grüße nach Kenia

    1. littleroadtrip

      Danke liebe Ammi, das freut uns! Grüße nach Hamburg!

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