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GSENM – die geheime Perle Utahs

Lesezeit: 5 Minuten

GSE…wie heißt das nochmal? Nie gehört. Die unhandliche Unbekannte dahinter gehört für einige zu den Geheimnissen des Südwestens der USA. Im Naturschutzgebiet Grand Staircase-Escalante National Monument, kurz GSENM kann man auf wundervolle Weise in der Wildnis verloren gehen- tagelang.


Hole in the Rock Road 

Im Reiseführer finde ich nur ein paar Zeilen zum 6.800 Quadratkilometer grossem GSENM. Das was drin steht macht uns jedoch neugierig: Relativ unerschlossenes Naturschutzgebiet im Canyonland, nur Dirtroads, keine Campingplätze oder sonstige Infrastruktur und (fast) keine befestigten Wanderwege, sprich: Kein Massentourismus wie in den Nationalparks. Wir hamstern Wasser und Verpflegung und biegen bei Escalante ein in die Hole in the Rock Road.

Es ist Trockenzeit, die Dirtroad in gutem Zustand, wir sehen auch einige Fahrzeuge ohne Allradantrieb klarkommen. Nur ein paar Tropfen Regen würden jedoch alles in zähen Schlamm verwandeln. Und wenn es hier regnet, dann meist mit Macht. Vor Flashfloods die auf dem knochentrockenen Boden schnell Unheil anrichten wird gewarnt. Der Blick auf die Wetterapp sagt dazu: Kein Empfang. Der Himmel bleibt aber blau. 



Klettern ist Kopfsache

„Oh nein, mein Kopf passt fast gar nicht durch!“, höre ich Fabi aufgeregt hinter mir. Ich muss einfach lachen. Wie zwei Maden stecken wir fest im Spooky Canyon. Wir starten mit dem Klassiker, der Wanderung durch die beiden Slot Canyons Peekaboo und Spooky

Um diese engen, durch fliessenden Wasser gebildeten Schluchten zu bewältigen muss man jedoch eher krabbeln und klettern als wandern. Ein bisschen Kaminklettern und viel Po-Gerutsche ist angesagt. Es macht unheimlich Spass – sofern man keine Platzangst hat. 

Zwischendurch zaubern einfallende Lichtstrahlen ein Fotomotiv nach dem anderen. Im Gegensatz zum meist besuchten Slot Canyon der USA, dem Antilope Canyon (Arizona) muss man diese Atmosphäre zum Glück nicht mit tausenden teilen. 

Am Abend bleiben wir einfach in der Wüste stehen, duschen unter freiem Himmel und hören den Coyoten zu. 



Durch den Neon Canyon zur Golden Cathedral 

Im GSENM kann man tagelang abtauchen. Es gibt grosse Teile, die noch gar nicht erschlossen sind. Viele Touren die wir zum Beispiel hier finden sind uns schon von der Beschreibung her eine Nummer zu gross. Zumal man eventuell keiner Menschenseele begegnen würde. „Grössere Strecken müssen schwimmend zurückgelegt werden“, lese ich vor, „und sie sollten sicher im Abseilen beim Kaminklettern sein“.

Unser kleines Abenteuer suchen und finden wir dann aber doch mit der Tour zur Golden Cathedral.

Zwei Städter in der Wüste

Mit 4 Litern Wasser wandern wir bei 30 Grad seit 2 Stunden durch die Wüste. Das Gespräch ist etwas eingeschlafen. Immer wieder zücken wir das Ipad, was sehr surreal wirkt in dieser Umgebung. Aber die GPS App (Mapout) führt uns einwandfrei durch die karge Landschaft, wohingegen wir die zarte Fussspur, den „Pfad“, immer wieder verlieren zwischen den Gesteinsplatten. Der Dom, welcher den Eingang zum Neon Canyon markiert gerät immer wieder verloren. Ausser Wüstenmäusen sehen wir niemanden. „Zwei Städter in der Wüste“, denke ich. 



Endlich sind wir an der Sanddüne, die uns gnädig runter rutschen lässt (der Rückweg steht auf einem anderen Blatt). Unten wartet eine Oase um den Flusslauf herum. Wir sind froh in der Trockenzeit unterwegs zu sein, so fliesst das Wasser beim Durchqueren nur gemütlich um unsere Knie. Der Neon Canyon selbst ist wirklich schön. Gelb und grün leuchten die Pflanzen vor den roten Canyonwänden. Bäume werfen gnädigen Schatten um sich. Wir sind schon gespannt auf das grosse Finale, die goldene Kathedrale: Ein leuchtend türkisfarbener See unter einer riesigen Kuppel aus Sandstein, hiess es. Nach 3 Stunden ist es soweit, wir sind da. Oder? 

Trockenzeit

Wir stehen vor einem kleinen Tümpel. Fast schon eher einer Pfütze. Es riecht ein wenig modrig. „Trockenzeit, mh…“, murmelt Fabi. Erschöpft fallen wir im Schatten über Wasser und Proviant her. Das hilft. Und das Nachmittagslicht, welches sogar den Tümpel ein wenig leuchten lässt. Man kann erahnen wie magisch dieser Ort nach ein wenig Regen aussehen muss. 

Der Rückweg hält ein was er verspricht – Muskelkater. Müde aber stolz es durchgezogen zu haben, unsere Grenzen neu abgesteckt zu haben, stehen wir endlich am Auto. Unten im Tal, ganz in der Ferne, sieht man den Dom am Eingang des Canyon hervorblitzen. Mein Handy zeigt an: 18 km, Akku schwach. Unserer ist leer. Am Abend schlafen wir fast ein am Feuer, obwohl die Milchstrasse so schön leuchtet wie nie. 

Tags darauf nehmen wir die hübsche Cottonwood Canyon Road zurück in die Zivilisation. 



Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Ziemlich scharfe Bilder – herzlichen Glückwunsch! Da bekommt man schon Lust auf Abenteuer und extreme Landschaften. Weiterhin viel Freude.

  2. .. wieder so ein toller Bericht… fast, als wäre man dabei gewesen..😘😘

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