Episode 7: Canadas Badlands

Am Winnipeg Lake wollen wir Abschied nehmen vom Wasser – bald wird es nur noch Felder und Weite geben in Canadas Prärieprovinzen. 

Blaubraun

Wir knallen die Vorratskisten voll und fahren für mehrere Tage in den Wald, zum Grand Beach Provincial Park. Es ist bereits Nebensaison, sodass wir den Platz hauptsächlich mit Rehen und Streifenhörnchen teilen. 

Auch Dünen und Sandstrand sind idyllisch, nur der Lake Winnipeg hat wohl seine besten Jahre hinter sich. Ein Warnschild bezüglich mangelnder Wasserqualität ergänzt das Gesamtbild. Wenn aus blau braun wird, hast Du als See verloren. Schade, denn natürlich war es wieder mal der Mensch mit seinen landwirtschaftlichen Abwässern der den Farbwechsel bedingte. Wir hängen noch ein bisschen rum und brechen dann auf Richtung Canadian Prairies

Strand Lake Winnipeg

Wenn Dein Navi sagt: Nach 743 km rechts abbiegen

…bist Du vielleicht in Canadas Prärieprovinzen (Manitoba, Saskatchewan, Alberta). 

Man hatte uns gewarnt, schon auf Prince Edward Island, und mehrfach danach: „Leute, ladet Euch unbedingt Podcasts und Musik ohne Ende runter“. Oder: „Stange an Lenkrad und Gaspedal klemmen und hinten 2 Tage schlafen, verpassen tut Ihr nichts.“

Gut, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. „Doch, es ist mega öde“, höre ich Fabi protestieren. Der Reiz besteht vielleicht in der unendlichen Weite und der Sprödheit der Natur. Früher gab es hier Bisons die über grasland zogen. Die Umwandlung in Ackerland (Kornkammer Candas), oft als Monokultur hat dem Boden langfristig geschadet. Heute hat es weder Bisons, noch fruchtbares Land mehr. Öltürme säumen den Strassenrand in einigen Teilen. Stundenlang fährt ein endloser Zug neben uns her auf dem berühmten Transcanada Railway. Strommasten sind oft einziger Massstab beim Blick an den Horizont. 

Es gibt auch einige touristische Attraktionen. In den Badlands hat man Dinosaurierskelette gefunden, zu bestaunen z.B. im Museum bei Drumheller. Man kann da auch zur besseren Aussicht ins Dinomaul- die 20$/Person haben wir allerdings lieber in Eis investiert. 

Herz aus Staub

Mitten im Nichts üben wir ein bisschen Drohne-Fliegen. Hoch und runter kann ja jeder! Lektion 2: Verfolgen Sie mit der Drohne das Auto und wechseln Sie dabei mehrmals die Perspektive. Uff! Mit unseren neuen Walkie-Talkies klappt zwar die Kommunikation auch im Nirgendwo, aber der Staub will noch nicht so richtig wirbeln. Die Drohne ist zu langsam, plötzlich sind überall Stromkabel und mit einem mal ist es irgendwie eng in dieser unendlichen Weite. Die ersten Shots werden trotzdem ganz cool, wir werden weiter üben.

Eigentlich suchen wir ein WC, biegen spontan rechts ab und sind auch schon da: Das staubige Herz Canadas, mehr mittendrin geht nicht. 

Wir treffen Simon, ca. 50, aus England mit seinem Motorrad. Er lebt in Indien, arbeitet dort für eine NGO und ist jetzt auf „Tournee“ zu den Spendern seiner gemeinnützigen Einrichtungen. Wir laden ihn unter die Markise ein, denn es sind locker 40 Grad. Er erzählt von Indien, wir geben Tipps zum Wildcamping. Später knipsen alle ein paar „Ich-war-hier-Fotos”, dann fährt jeder weiter- er nach Osten wir westwärts. 

Im Herzen Canadas

Dead end 

Tagelang fahren wir geradeaus. An den Raststätten hängen jetzt Bilder von zwei jungen Männern. Wanted, steht drüber, und dass man sich keinesfalls nähern solle. Später lesen wir in den News von einem getöteten jungen Pärchen in British Columbia. Sie waren mit dem Auto durch Canada unterwegs bevor sie eine Autopanne hatten und – wahrscheinlich von den beiden Männern- am Strassenrand erschossen wurden. Die Täter sind flüchtig. Es fühlt sich jetzt ein bisschen mulmiger an nachts auf dem Rastplatz zu stehen. 

Wenig später werden die Täter gefunden, „Dead end“, titeln die Zeitungen. Die jungen Männer haben sich in der tiefsten Wildnis in der Provinz Manitoba umgebracht. Wir schlucken, „Auch wir sind dort durchgefahren“, sage ich zu Fabi. „Ja, aber sicher ganz woanders“, beruhigt er mich. 

Auf Reisen, wie auch zu Hause, das gefährlichste Tier bleibt immer der Mensch. Dagegen sind Bären berechenbare Teddies. 

Wir schütteln schliesslich Staub und schlechte Gedanken ab und kommen in Calgary an. Am Horizont sieht man schon die Rocky Mountains

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Barbara

    Sehr cool.. auch das Video 👍🏽👍🏽

    1. littleroadtrip

      Danke 👌🏽☺️

  2. Vera Bartling

    Wie immer fühlt man sich wirklich auf die Reise mitgenommen! Das Video führt einem diese öde Weite gut vor Augen! Bedrückend das Ende! Toller Blog!Warten auf M E H R

    1. littleroadtrip

      Vielen Dank liebe Ammi!!! Freut uns sehr Dein Kompliment ☺️

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