Episode 4: Von Vermont in den Algonquin Provincial Park

Endlich geht es westwärts: Wir fliegen durch Vermont, machen City-Camping in Montreal und paddeln durch den Algonquin Provincial Park. 

You are in a bear country

Vermont, Little River State Park

Wir campen im Little River State Park in Vermont, haben das erste mal einen „active bear in campground“ und machen natürlich alles falsch: Mülltüte draussen vergessen, Abwasch erst am nächsten Tag erledigt und dann das mit den Duschsachen. „Ach guck mal, Shampoo und sowas finden die auch gut!“, sage ich zu Fabi mit der Bären Broschüre in der Hand. Fröhlich unter Baumkronen geduscht, aber nichts weggeräumt, klar. Der Schwarzbär und wir haben Glück und lernen uns trotzdem nicht kennen. 

Später, als wir schon geübte Camper im Bärenland (dann auch Grizzlies) sind, erfahren wir, dass sogenannte „Problembären“ eingefangen und zurück in die „richtige“ Wildnis geflogen werden. Problembär ist wer Aggressivität und fehlende Menschenscheu an den Tag legt – der letzte Schritt auf dem langsamen Weg der Gewöhnung an den Menschen und seinen Müll. 

Noch später erzählt uns eine Rangerin, dass dies ein schönes Märchen sei. Problembären sterben häufig kurz vor ihrem Flug into the wild. So ein Schuss löse sich eben leicht mal. Traurig, finden wir und bemühen uns nicht (mehr) zu den Ignoranten unter den Campern zu gehören. 

Träumerle

Der Regen verfolgt uns lang genug um Stranger things (Serie) durchzusuchten. Vermont fliegt vorbei mit Feldern, Wald, immer wieder Maple-Sirup Ständen und Werbung für Ben&Jerries, die hier damals begannen. Bald baden wir im Lake Champlain bei Burlington und denken das erste mal wie klein der Bodensee doch ist. Wir leihen Velos und fahren über eine ehemalige Eisenbahntrasse mitten durch den See (Island Line Trail). 

Lake Champlain bei Burlington, USA

Abends: Hängematte und Lagerfeuer. Langsam denken wir weniger an Notaufnahme und Präsentationen in Banken, nur um dann umso ausgiebiger davon zu träumen. Und von Früher – ein Traum verrückter als der nächste. Wenn der Kopf mal Zeit hat wird’s spannend… 

Velodrama in Montreal 

Der kanadische Grenzbeamte winkt uns freundlich durch, nächster Halt ist Montreal. In der Provinz Quebec wird’s mit dem Französisch immer noch sehr ernst genommen. Wir haben plötzlich eine Sprachbarriere, dafür aber auch die geschmackvollsten Food-Stände und den besten Wein seit langem. 

Wir parken bei Walmart und leihen per Bixi app City-bikes mit denen wir die Stadt für 5 kanadische Dollar – wir wollen Geld sparen – erkunden können. Alle 25 Minuten müssen wir allerdings das Rad wechseln, sonst wird’s teuer. Das wird anstrengend! „Wo ist denn die nächste Velo-Station?“, fragen wir uns genervt. Bei 35 °C und lauter Baustellen gibt es Streit. 

Alle anderen liegen an den Kanälen im Schatten, die Innenstadt ist leer als wir sie endlich erreichen. Die im Reiseführer gelobte „Stadt unter der Stadt“ ist ausgestorben, sogar Mc Donalds hat da unten geschlossen.

Montreal – wird es doch noch ein happy end?

Nach der Eispause sind wir wieder versöhnt und auf dem Weg zur öffentlichen Badeanstalt (Parq Ignae-Bourget) bei „unserem“ Walmart um die Ecke. 

Als ich am Beckenrand stehe zeigt mein iPhone 22.128 zurückgelegte Schritte (12,5 km) an, und da ist das Velofahren noch nicht mal mit drin. Bereit den Triathlon komplett zu machen will ich reinspringen, da pfeift der Lifeguard einmal laut und alles ist aus. 
Er spricht zwar englisch, trotzdem begreife ich nur schleppend. Jemand hat erbrochen. Ins Wasser. Vor fünf Minuten. „Und jetzt?“, denke ich. Das klare Wasser plätschert verführerisch, ist aber für 25 Minuten gesperrt, so lang braucht die Kläranlage zur Reinigung. Wir warten.

Kurz vor Entwarnung blitzt es einmal am Horizont- Wasserverbot für 30 Minuten. Jetzt ist es auch egal, wir warten.
Das nächste mal habe ich schon einen Fuss drin, will aber noch auf Fabi warten. Der steckt entscheidende Minuten vor verschlossener Tür in der Männerumkleide fest. Der nächste Blitz, ein Pfiff und wir wissen, das wars jetzt. Ein bisschen lustig ist es schon. 

Den nächsten Tag füllen wir Vorräte auf und sind nachmittags im Algonquin Provincial Park. 

Zmorge auf der Insel 

Der Algonquin Provincial Park ist riesig, erst recht aus europäischer Sicht. Im Backcountry dem wilden Bereich solcher Parks kann man tagelange Kanu- oder Wandertouren machen ohne jemandem zu begegnen. Wir lassen es sachte angehen- Wildnis light. Bedeutet wir stehen auf einem Campground (sogar mit Wasserversorgung) und mieten ein dickes Doppelkajak für Tagestouren. 

Und es gibt doch einen Grund früh Aufzustehen: Zmorge auf einer einsamen Insel! ☕️ 🏝

Gepostet von Little Roadtrip am Mittwoch, 24. Juli 2019

Morgens sind wir die ersten im Boot zur kleinen Insel im See. Still sitzen wir, den Kaffeebecher in der Hand, auf den warmen Steinen am Wasser. Nach dem Zmorge wird gebadet. Als die ersten Menschen kommen sind wir schon auf dem Rückweg. 

Zwei Städter in der Wildnis

Abends sitzen wir gebannt am Feuer. „Ich könnte stundenlang einfach nur reinschauen“, meint Fabi. Endlich ist mal wieder Zeit zum Blog-Schreiben, Fotografieren, Filmen, Schneiden und Nichtstun. 

Auf einem Hike erschrecken wir vor einem ausgewachsenen Moose (Elchart), was in 10 Metern Entfernung frisst. Wir sind begeistert von der Wildheit der Natur, haben aber auch noch ganz schön Respekt. Schwarzbären sehen wir – zum Glück – nur zweimal durchs Autofenster. Rehe und Streifenhörnchen begegnen uns immer wieder. Nachts leuchten die Sterne schon heller als bisher. 

Algonquin at night

Irgendwann ist es genug mit Wald und wir packen es Richtung Zivilisation. Nächstes Ziel: Die Great Lakes. 

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Dieser neu Beitrag hat mir wieder ausnehmend gut gefallen…ganz besonders gelungen waren diesmal die Fotos!!Der Schreibstil ist wie immer exzellent!👍👍

    1. littleroadtrip

      Danke Ammi, das freut uns total! Liebste Grüsse nach Hamburg

  2. Vera Bartling

    Wieder ein ereignisreicher Bericht,den man stundenlang weiterlesen möchte!Man wartet gespannt auf den nächsten Blog!!👍

    1. littleroadtrip

      Vielen Dank, das freut uns!! ☺️

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